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VDMA warnt vor freiem Zugriff auf Industriedaten

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Die europäische Industrie steht vor einer intensiven Debatte um Datenrechte: so überlegt die EU-Kommission, in Zukunft auch nicht-staatliche Datenbestände grundsätzlich frei verfügbar zu machen. Auch im Fokus dieser Idee stehen für Industrie 4.0 essenzielle Maschinen- und Sensordaten. Der VDMA warnt davor, dass ein einseitige Präferenz für einen offenen Datenzugang das Geschäftsmodell von Industrieunternehmen gefährden könnte. In diesem Jahr will die Kommission dazu im Rahmen der „Free Flow of Data“-Initiative näher auf den freien Datenfluss in der EU-Wirtschaft eingehen.

Die EU-Kommission verspricht sich davon, dass durch den freien Zugang zu Daten neue Geschäftsmodelle in Europa entstehen. Für den weiteren Erfolg der Digitalisierung der Industrie hingegen sind diese Gedankenspiele kritisch: Schon jetzt ist fehlendes Vertrauen in Daten- und Know-How-Schutz ein Haupthindernis für Unternehmen auf dem Weg zu Industrie 4.0. Aus Sicht des VDMA lässt die Kommission  auβer Acht, dass Daten in einer Industrie 4.0 nicht nur frei verfügbarer Rohstoff sind, sondern reale Produkt- und Prozessinnovationen abbilden können. Aus Sicht des Verbands sollte gerade die Vertragsfreiheit gestärkt werden, um der Dynamik und der Komplexität der Digitalisierung mit möglichst flexiblen Lösungen gerecht zu werden. 

Konkrete Vorstellungen hat die EU-Kommission bereits, was die wissenschaftlichen Daten aus der öffentlich geförderten Forschung angeht: Alle Daten, die im Rahmen des EU-Programms Horizont 2020 anfallen, sollen standardmässig frei verfügbar sein. Dieses „open by default“-Prinzip ist einer der Pfeiler der „Sciene Cloud“, einer geplanten virtuellen Infrastruktur der EU für Forschungsergebnisse. Für Unternehmen wird  die Möglichkeit eines „opt-out“ diskutiert, das den Schutz der eigenen Erkenntnisse in Forschungsprojekten ermöglichen soll. Eine in Brüssel diskutierte Variante sieht vor, dass auch Daten, die in der Industrie anfallen, standardmäßig frei verfügbar sein sollen – wobei derzeit unklar ist, welche Daten genau betroffen sein könnten.

Kontakt: kai.peters@vdma.org

Bildquelle : vege-Fotolia100079919

Peters, Kai
Peters, Kai
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