Artikelansicht

Robot Law: VDMA kritisiert „vorschnellen“ Bericht des EU-Parlaments

29.07.2016 | id:14413498

Roboter haben in der Industrie eine immer zentralere Rolle – das ruft auch die EU auf den Plan. Vor kurzem hat das Parlament einen Bericht veröffentlicht, der weitreichende Regulierung für den Einsatz von Robotern anregt: von einer Registrierungspflicht über eine Robotersteuer hin zu einem juristischen Status als „elektronische Person“. In einem Interview mit der EU-Nachrichtenseite Euractiv hat VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann den Bericht nun in vielen Punkten als vorschnell kritisiert: eine Debatte über einen politischen Rahmen für Industrie 4.0 sei zwar wichtig, allerdings dürfe sie nicht losgelöst von der Lebenswirklichkeit in den Unternehmen geführt werden.

„Roboter stehen im Mittelpunkt von Industrie 4.0. Man würde bei diesem Thema eine Auswahl vernünftiger Vorschläge erwarten, anstelle eines Leitfadens mit allen möglichen Regulierungsmaßnahmen ohne Rücksicht auf ihre Auswirkungen“, sagte Brodtmann im Euractiv-Interview. Aus Sicht des VDMA konzentriert sich der Bericht zu sehr auf Probleme, die sich erst in ferner Zukunft ergeben könnten – wenn überhaupt. Dem würden oft falsche Vorstellungen von Robotern zugrunde liegen. „Wenn wir über Roboter sprechen, dürfen wir nicht nur an Filme wie Star Wars oder Terminator denken. Roboter sind Maschinen, wir sollten nicht den Fehler machen, sie zu vermenschlichen“, sagte Brodtmann.

Konkret warnt der VDMA die Politik davor, schon heute die technologische Entwicklung kommender Jahrzehnte vorwegnehmen zu wollen und den Raum für Innovationen einzuschränken. Eine klare Absage erteilte Brodtmann etwa der Idee, Roboter zu besteuern und dadurch ein bedingungsloses Grundeinkommen zu finanzieren. „Das ist eine ziemlich schlechte Idee, weil es für Unternehmen teurer wird, moderne Technologien anzuwenden“, sagte Brodtmann. „Es hat sich nicht bewahrheitet, dass die Automatisierung Arbeitsplätze verdrängt. Wir sollten nicht damit anfangen, Probleme zu lösen, die es noch gar nicht gibt.“ Vielmehr müsse man neue Technologien als Chance sehen, etwa um die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft meistern zu können.

Positiv sieht der VDMA, dass das Thema Industrie 4.0 in Brüssel an Aufmerksamkeit gewinnt. Der Verband setzt sich dafür ein, die Rahmenbedingungen für neue Technologien direkt auch auf europäischer Ebene zu diskutieren, um den EU-Binnenmarkt fit zu machen für die Digitalisierung in der Industrie.

Das komplette Interview kann auf Deutsch und Englisch abgerufen werden. Den Bericht des Europäischen Parlaments zur Regulierung von Robotern finden Sie unter diesem Link.

kontakt: eike.radszuhn@vdma.org

Bildquelle : Messe München

Radszuhn, Eike
Radszuhn, Eike
Zurück
Bilddatenbank
Ähnliche Artikel
Europäisches Online-Kaufrecht: VDMA warnt vor Ausweitung auf Geschäftskunden
 

03.08.2016

Europäisches Online-Kaufrecht: VDMA warnt vor Ausweitung auf Geschäftskunden

Die EU diskutiert derzeit über einen einheitlichen Rechtsrahmen für den Onlinehandel. Die Initiative könnte mittelfristig auch den Maschinenbau betreffen.

Artikel anzeigen
Europäische Kommission verabschiedet neue Technologietransfer-GVO
 

10.04.2014

Europäische Kommission verabschiedet neue Technologietransfer-GVO

Die Europäische Kommission hat am 21.03.2014 die neue Technologietransfer-Gruppenfreistellungsverordnung und neue Leitlinien zur Anwendung von Technologietransfer-Vereinbarungen (Leitlinien) verabschiedet. Die neue Verordnung tritt voraussichtlich am 01.05.2014 in Kraft.

Artikel anzeigen
Trade Secrets-Richtlinie wird in Brüssel weiter vorangetrieben
 

03.03.2015

Trade Secrets-Richtlinie wird in Brüssel weiter vorangetrieben

Am 10. Februar hat Constance Le Grip, die Berichterstatterin für die Trade Secrets-Initiative im Europäischen Parlament, EVP, ihren Berichtsentwurf vorgelegt.

Artikel anzeigen
VDMA: Datenschutzabkommen mit den USA unerlässlich für Industrie 4.0
 

03.02.2016

VDMA: Datenschutzabkommen mit den USA unerlässlich für Industrie 4.0

Nach dem Ende von Safe Harbor soll künftig der so genannte „EU-US Privacy Shield“ die rechtliche Grundlage sein für den transatlantischen Austausch personenbezogener Daten. Für den Maschinenbau ist das unerlässlich im Zeitalter von Industrie 4.0.

Artikel anzeigen
Unternehmen müssen Personendaten künftig besser schützen
 

27.04.2016

Unternehmen müssen Personendaten künftig besser schützen

Die EU hat die Anforderungen beim Umgang mit Personendaten deutlich verschärft. Künftig müssen Unternehmen in allen EU-Mitgliedsstaaten die ausdrückliche Einwilligung von betroffenen Personen einholen, bevor sie deren persönliche Daten verarbeiten.

Artikel anzeigen