Wo Ökodesign sinnvoll ist für den Maschinenbau

31.10.2014 | id:5881678

Wenn öffentlich über Ökodesign gestritten wird, schlagen die Wellen hoch. Für die EU-Kritiker ist die Richtlinie das Beispiel für europäischen Regulierungswahn, der Glühbirnen verbietet und den Bürgern den Staubsauger wegnimmt. Für Umweltschützer ist Ökodesign die Allzweckwaffe für umweltfreundlichere Produkte. Gut möglich, dass bald ein neues Kapitel in der Debatte hinzukommt; am 29. Oktober diskutierten EU und Wirtschaftsvertreter in Brüssel, welche Produkte als nächstes unter die Ökodesign-Richtlinie fallen sollen. Am Ende könnte das auch die Unternehmen des Maschinenbaus betreffen – doch aus Sicht des VDMA ist das zumindest nicht in allen Fällen schlecht.

Denn bei allem Spott, den sich die EU anhören muss, funktioniert der Ökodesign-Ansatz nach Erfahrung des VDMA für zahlreiche – wenn auch nicht alle – Produkte erstaunlich gut. Im Kern geht es bei der Richtlinie mit dem Kennzeichen 2009/125/EG darum, Produkten ein Mindestmaß an Umweltverträglichkeit aufzuerlegen, beispielsweise, wie viel Energie sie verbrauchen dürfen. Angewendet wird die Richtlinie vor allem auf verbreitete Produkte, deren Umweltverträglichkeit sich zu vertretbaren Kosten verbessern lässt – schon jetzt regelt sie etwa Elektromotoren, Wasserpumpen oder Ventilatoren.

Nach Einschätzung des VDMA ist Ökodesign bis hierher praxistauglich. Entsprechend kritisch sieht der Verband die teils emotional vorgetragene Fundamentalkritik – vor allem, weil eine Diskussion über die Details von Ökodesign viel nötiger wäre. An seine Grenzen stößt die Richtlinie nämlich, wenn sie auch auf komplexe Industriegüter angewandt werden soll.

Denn wie die Rahmenrichtlinie konkret umgesetzt werden soll, wird über so genannte Durchführungsbestimmungen geregelt, die sich auf konkrete Produkte beziehen. Die Methoden dabei sind bislang auf Massen- und Konsumgüter ausgerichtet, denen etwa feste Grenzwerte auferlegt werden. Industriegüter aber sind meist komplexer. Erkennen musste das die EU-Kommission, als sie jüngst über die Regulierung von Industrieöfen diskutierte. Diese Öfen sind oft Einzelstücke, denen starre Vorgaben kaum gerecht werden. Eine undifferenzierte Anwendung der Ökodesign-Richtlinie ist bei diesen Produkten schlicht realitätsfremd.

Entsprechend warnt der VDMA davor, durch zu enge Regulierungen Techniken vorzuziehen und der Industrie den Spielraum zu nehmen für Innovationen. Die Frage, wie sich Industriegüter umweltverträglich gestalten lassen, muss in den Unternehmen beantwortet werden und nicht durch die Politik. Hinterfragt werden muss auch, ob die Ökodesign-Richtlinie überhaupt sinnvoll auf komplexe Industriegüter bezogen werden kann, oder ob der EU dafür nicht andere Instrumente zur Verfügung stehen wie beispielsweise das Emmissionshandelssystem ETS oder die Richtlinie über Industrieemmissionen.

Handlungsbedarf beim Thema Ökodesign gibt es aus Sicht des VDMA auch bei der Überwachung. So hat die Kommission in den vergangenen Jahren zwar für zahlreiche Produkte Regeln erlassen, die in der Praxis jedoch nicht immer eingehalten werden. Wenn sich nicht alle Hersteller der Richtlinie unterordnen, verfehlt Ökodesign nicht nur das Ziel, sondern führt auch zu Marktverzerrungen. Der VDMA sagt daher: Solange die Marktüberwachung bei bestehenden Bestimmungen nicht gewährleistet ist, sollte über neue Vorgaben zweimal nachgedacht werden.

Die Vorstudie zum dritten Arbeitsprogramm können Sie hier mitverfolgen. Die Europäische Kommission will Anfang 2015 über die finale Liste neuer Produktgruppen entscheiden.

 

Kontakt: Hanna Blankemeyer@vdma.org

 

 

Bildquelle : Shutterstock

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