Quo vadis Ökodesign?

22.04.2015 | id:7766342

Getragen von einem breiten politischen Konsens trat vor zehn Jahren die Ökodesign-Richtlinie und, kurz darauf, die erste Glühbirnen-Verordnung in Kraft. Nach der anfänglichen Aufregung über nun in kühl-bläulichem Licht erstrahlenden Häusern wurde es in der öffentlichen Wahrnehmung ruhig um Ökodesign. Doch unbemerkt wurden über die nächsten sechs Jahre über 48 Produktgruppen in das aufwendige Rechtsetzungsverfahren zur Umsetzung der Richtlinie geschickt.

Dabei beschränkte sich die Europäische Kommission nicht auf Konsumgüter: von Elektromotoren über Ventilatoren bis hin zu Werkzeugmaschinen und Industrieöfen sind zentrale Bereiche der Investitionsgüterindustrie betroffen. Unter dem neuen Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, steht die Richtlinie nun erneut auf dem Prüfstand. Die Liste neuer Produktgruppen, die bis 2017 angegangen werden sollen, steht kurz vor der Veröffentlichung.

Vorbild Maschinenrichtlinie

Wie die Maschinenrichtlinie koppelt die Ökodesign-Richtlinie das Erfüllen gesetzlicher Vorgaben an das Inverkehrbringen von Produkten. Der Hersteller sichert zu, dass das Produkt regelkonform ist, indem er ihm eine CE-Kennzeichnung zuweist, und darf es auf den Markt bringen. Allerdings weicht die Anwendung der Ökodesign-Richtlinie entscheidend von anderen sogenannten New-Approach-Richtlinien ab. Sie schreibt starre Grenzwerte zur Energieeffizienz vor.

Der VDMA fordert für komplexe Güter, die Richtlinie entweder flexibler oder gar nicht anzuwenden. Dies wird am Beispiel der Werkzeugmaschinen oder Industrieöfen deutlich, für die bis dato kein praktikabler Regelungsansatz gefunden wurde. Komplexe Produkte lassen sich häufig nicht auf ein standardisierbares Verfahren zur Energieeffizienzsteigerung reduzieren. Aus Sicht des VDMA sollten die politischen Ziele im Gesetz allgemein beschrieben und die technische Umsetzung am konkreten Produkt in der Normung erarbeitet werden. Nach diesem Prinzip funktioniert die Maschinenrichtlinie seit Jahren erfolgreich.

Ohne Marktüberwachung geht es nicht

An die Stelle der anfänglichen Euphorie über die potenziell „schnellen“ Energieeffizienzerfolge durch die Ökodesign-Richtlinie ist Ernüchterung bei allen beteiligten Akteuren – EU-Kommission, Industrie und Mitgliedstaaten – getreten. Es fiel auf, dass parallel zu der wachsenden Zahl von Effizienz-Produkten im Markt die staatliche Überwachung der Vorgaben organisiert werden musste. Nach heutigem Stand befinden sich die benötigten Kapazitäten zur Marktüberwachung allenfalls im Aufbau, sind aber nicht ausreichend, um die Einhaltung sämtlicher Produktregeln zu überprüfen.

Im Maschinen- und Anlagenbau stellt dies eine enorme Herausforderung dar, da die technische Überprüfung für Behörden besonders kompliziert ist. Doch mit jedem Produkt-Schwindel im Markt sinkt die Wettbewerbsfähigkeit derjenigen, die die kostenintensive Umsetzung der Ökodesign-Anforderungen auf sich genommen haben. Für den VDMA hat die Verbesserung der Marktüberwachung höchste Priorität.

Material ist die neue Energie

Nahezu alle Geräte mit einträglichen Energieeffizienzpotenzialen sind über die Ökodesign-Richtlinie erfasst. Der politische Fokus rückt seit einiger Zeit auf die verbesserte Materialeffizienz von Produkten. Allerdings warnt der VDMA davor, Fehler, die bei der anfänglichen Umsetzung der Richtlinie gemacht wurden,  bei der Entwicklung von Ökodesign-Anforderungen für die Materialeffizienz zu wiederholen. Es wird wesentlich schwerer, Vorschriften beispielsweise zur Verwendung von Sekundärrohstoffen in der Produktion zu entwickeln. Nahezu unmöglich erscheint die Aufgabe, mess- und prüfbare Anforderungen für die Marktüberwachung zu erarbeiten. Der VDMA rät zur Gründlichkeit und warnt vor Schnellschüssen.

Anhang: das neue VDMA-Positionspapier Ökodesign (PDF, 180 KB)

Kontakt: hanna.blankemeyer@vdma.org

Bildquelle : Shutterstock

Blankemeyer, Hanna
Blankemeyer, Hanna
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Positionspapier Ecodesign...

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