Wirtschaft ankurbeln: Politik und Industrie in Diskussion

eadebates

In einer virtuellen Podiumsdiskussion zum wirtschaftlichen Wiederaufbau nach der Corona-Krise, die das VDMA-Europabüro zusammen mit dem Brüsseler Medienhaus Euractiv veranstaltet hat, vertrat VDMA-Präsident Carl Martin Welcker die Position der Industrie.

Ist ein souveränes Europa, wie von der EU-Kommission angestrebt, ein eingeigeltes Europa? Wie viel Unabhängigkeit können sich exportorientierte Branchen leisten? Und nach welchen konkreten Kriterien werden die Gelder aus dem Recovery Plan vergeben, der Europa grün, digital und widerstandsfähig machen soll? Das waren nur einige der Fragen, die VDMA-Präsident Carl Martin Welcker mit dem Kommissionsbeamten Kamil Kiljanski (DG Grow), dem niederländischen Europaabgeordneten Tom Berendsen (EPP) und Reinhilde Veugelers, Professorin für Managament, Strategie und Innovation der KU Leuven, in einer virtuellen Konferenz diskutierte.

VDMA-Präsident Carl Martin Welcker vertrat die Position der Industrie

Neue Normalität ja, aber wie?

Einig waren sich alle, dass ein rascher und gleichzeitig nachhaltiger Aufbau für die europäische Wirtschaft jetzt dringend nötig ist. Klingt naheliegend, doch etwas konkreter sollte das Ziel schon sein, forderte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. So stellt er klar: „Reden wir über einen Schnellstart der Industrie? Dann schauen wir uns die nächsten Monate an. Sprechen wir aber über eine komplett neue Struktur in der neuen Normalität, dann reden wir über die nächsten drei bis fünf Jahre.“

Ob nun Monate oder Jahre – klar ist, dass für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau offene Märkte essentiell sind. „Die Welt ist unser Markt!“, sagte Welcker über die europäische Maschinenbauindustrie. Der Europaabgeordnete Tom Berendsen hingegen gab sich überzeugt, dass Europa eine strategische Autonomie braucht. „Wir sind aktuell in Europa zu abhängig von anderen“, erklärte er seine Position. Und Reinhilde Veugelers, die für das Brüsseler Think Thank „Bruegel“ sprach und die wissenschaftliche Perspektive einnahm, pochte auf Innovation: „Für eine neue Normalität braucht es unbedingt Innovation. Und die Innovationstreiber müssen freien Marktzugang haben.“

Mehr Freiheit für Unternehmen

Das Publikum, das Fragen über den offiziellen Veranstaltungs-Hashtag #eaDebates sowie direkt im Chat der Online-Konferenz stellen konnte, zeigte sich interessiert  an der Einschätzung der Industrie interessiert zum Thema Nachhaltigkeit. Auf die Publikumsfrage, ob KMUs Nachhaltigkeit eher als Chance oder Hindernis sehen, antwortete Welcker: „Generell sind KMUs relativ flexibel und haben den Vorteil, sehr nahe am Markt und somit anpassungsfähiger zu sein als manch großes Unternehmen.“

Um sich aber im Markt zu behaupten, müssen die Unternehmen die vielfältigen Chancen, die ihnen geboten werden, nutzen können. Konkret heißt das: weniger bürokratische Last für die Unternehmen seitens der Politik und dafür mehr Freiheit für die Unternehmen.

Resilienz bedeutet: … irgendwie alles

„Resilienz“ ist der neue Trend-Begriff, der derzeit in aller Munde ist. Dabei geht es um die Frage, wie Europa fit gemacht wird, um künftige Krisen (besser) zu überstehen. Doch was genau heißt das? „Darunter kann Umwelt, Produktivität, freier Warenverkehr oder auch Technologie zu verstehen sein“, erklärte Kamil Kiljanski, der in der EU-Kommission für Binnenmarkt, KMUs und Industrie zuständig ist. Für Reinhilde Veugelers bedeutet Resilienz vor allem Flexibilität und Modularität in Wertschöpfungsketten. Wichtig sei, alle Optionen zu nutzen und nicht auf lokale Netze zu setzen.

Eine klare Definition gab es am Ende der Diskussion zwar nicht, dafür aber klare Worte von Welcker: „Ich mahne davor, den Begriff ständig zu nutzen ohne genau zu wissen, was darunter zu verstehen ist. Das führt zu einer missbräuchlichen Verwendung und letztlich Verwirrung.“

So komplex die Fragen der Strategie für einen wirtschaftlichen Aufbau sind, so unterschiedlich sind auch die Antworten. Einigkeit unter den Podiumsteilnehmern herrschte hingegen bei dem weiteren Vorgehen. Sie setzen auf Austausch: „Kommunikation untereinander und miteinander ist der Schlüssel – daher ist es wichtig, weiterhin mit Politik, Wissenschaft und Industrie an einen Tisch zu kommen und zu diskutieren“, resümierte Welcker. In diesem Sinne ist der Weg für die nächste virtuellen Politik-Diskussion geebnet.

 

Weiterführende Information

  • Eine Aufzeichnung der rund einstündigen Diskussion finden Sie hier
  • Wir haben die online Diskussion auf Twitter live begleitet und die wesentlichen Aussagen in einem Twitter-Moment für Sie zusammengefasst. Schauen Sie gerne rein!
  • Das aktuelle VDMA-Positionspapier zum wirtschaftlichen Wiederaufbau finden Sie hier.