Chancen und Risiken des Green Deal

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Die Corona-Pandemie ist auch für die Klimaagenda der EU-Kommission zu einer entscheidenden Weichenstellung geworden. Der Green Deal bietet für den Maschinen- und Anlagenbau viele Chancen – wenn er auf marktwirtschaftlichen Prinzipien beruht.

Die „grüne Agenda“ der EU wurde nicht nur während der  Pandemie aufrechterhalten, sie ist auch ein Schlüsselelement des Vorschlags der Kommission für ein Konjunkturpaket, um die europäische Wirtschaft nach der Krise anzukurbeln. Die Kommission hat dazu ein Konjunkturprogramm vorgeschlagen, das es ihr ermöglicht, rund 750 Milliarden Euro auf den Finanzmärkten aufzunehmen. Dieses Geld wird laut Frans Timmermans, dem Vizepräsidenten der EU-Kommission, "Investitionen und Reformen unterstützen, die für einen nachhaltigen Aufschwung unerlässlich sind, wie zum Beispiel Kreislaufwirtschaft und Artenvielfalt“.

Neue Chancen für den Maschinen- und Anlagenbau

Ein umfassender, sozialverträglicher und industriepolitisch konformer Green Deal kann auch eine große Chance für den Maschinen- und Anlagenbau sein. Die Branche nimmt mit ihren High-Tech-Produkten für  alle Sektoren eine Schlüsselrolle bei der Reduzierung des globalen Treibhausgas-Ausstoßes ein. Der Einsatz grüner Technologien bietet hier großes Potenzial. Wenn Maschinenhersteller ihren Kunden aus der Industrie grüne Technologien anbieten und den Umstieg voranbringen, lassen sich die aktuell 35 Gigatonnen (Gt) an Emissionen in der Industrie um bis 86 Prozent oder umgerechnet 30 Gigatonnen senken. Das sind Ergebnisse der Studie For Machinery Makers, Green Tech Creates Green Business.

Große Chancen sieht der VDMA insbesondere in dem neuen Schwerpunkt der intelligenten Sektorintegration ("sector coupling") und der Offenheit für den Handel mit nachhaltiger Energie mit Drittstaaten. Darüber hinaus unterstützt der Verband eine Überarbeitung der Energiebesteuerungsrichtlinie, um die Belastungen im Bereich der erneuerbaren Energien zu reduzieren und sie an der CO2-Intensität der Energie auszurichten. Der "Green Deal" sollte jedoch mit marktwirtschaftlichen Instrumenten gesteuert und die besten CO2-Vermeidungsoptionen technologieneutral gesucht werden. Jegliche zusätzliche bürokratische Belastung, wie zum Beispiel ein Kohlenstoff-Grenzmechanismus, sollte vermieden werden.

              Green Deal: Ein Ausblick auf das Jahr 2021

Der Green Deal ist kein völlig neues Maßnahmen- und Richtlinienpaket, sondern verbindet eine Vielzahl bereits bestehender Regelungen mit neuen Strategien und Anreizen. Ziel war es, die Angleichung der Maßnahmen sicherzustellen und ein unüberschaubares Gewirr unkoordinierter Regelungen zu vermeiden.

Basierend auf dem Plan, wonach die Emissionsreduktion Ziel in der EU auf 55 bis 60    Prozent im Vergleich zum Wert des Jahres 1990 angehoben wird, sollen bestehende Klimaschutz-Maßnahmen mit diesem neuen Ziel in Einklang gebracht werden und eine konkrete Umsetzung ermöglichen. Auf dieser Grundlage hat die Kommission nun ein "fit for 55"-Paket vorgelegt, das zwölf legislative Maßnahmen umfasst, die von der Energieregulierung über die Finanzregulierung bis hin zu marktbasierten Maßnahmen und Produktregulierungen reichen.

Auch wenn die konkreten Auswirkungen dieser Zielerhöhung noch schwer zu erfassen sind, wird die Überarbeitung der zahlreichen Richtlinien und Verordnungen - von einem veränderten Energiebesteuerungssystem bis hin zu strengeren Energieeffizienzstandards - direkte Auswirkungen auf die VDMA-Mitgliedsunternehmen haben.

Ein Verständnis für die Klimaziele der EU und die Entwicklung der Regulierung ist daher essentiell, damit Unternehmen diesen Wandel risikoarm und planmäßig in ihrem Geschäft berücksichtigen können. Der VDMA begleitet und kommentiert die EU-Klimapolitik, bevor diese in nationales Recht umgesetzt wird. Somit können Unternehmen eine größere Planungssicherheit erhalten, Anpassungsmechanismen frühzeitig erkennen und interne Strukturen anpassen. Darüber hinaus kann bei rechtzeitiger Antizipation das Risiko minimiert werden, von externen Schocks - wie z.B. einer plötzlichen Erhöhung der CO2-Preise – überrascht zu werden.

Weitere Info nur für Mitglieder unter folgendem Link: climate navigator (VDMA Mitglieder)